Berufsfeuerwehr Wien

Feuerwehrfrauen im Dienst der Stadt Wien

Tara Hassan

Die Feuerwehr Wien braucht dringend weibliche Verstärkung.
Tara Hassan (23) ist eine von fünf Feuerwehrfrauen und die jüngste im Team. "Ich kann den Job nur empfehlen. Es ist spannend, kein Tag wie der andere - und trotzdem gibt's genug Freizeit", strahlt sie.

Keine Frage, der Job ist fordernd: 24-Stunden-Dienste (mit Ruhephasen), Sportlichkeit und Fitness, Belastbarkeit und starker Wille werden verlangt. Demgegenüber warten Möglichkeiten zur Karriere: Nach sechs Jahren Dienst steht der Weg zur "Chargenschule" offen. Dort wird das Kommando über einen Löschtrupp gelehrt, die Ausbildung zur Einsatzfahrerin absolviert oder das Know-how für die Notruf-Leitstelle vermittelt. Darüber hinaus bieten Spezialausbildungen weitere Sprungbretter: zur Höhenrettung oder den EinsatztaucherInnen.

Leben retten im Team

Sabrina Stutzig, im Nachrichtendienst der Berufsfeuerwehr ist zuständig für Notrufe. Ihr Sohn ist sechs und erzählt stolz in der Klasse: Meine Mama ist bei der Feuerwehr. Auch Stutzigs Vater war Feuerwehrmann, genauso wie ihr Großvater und ihr Onkel. Die Familie hat viel zu erzählen über Flammen, und dennoch sagt sie: "Routine kommt nie rein. Jeder Einsatz ist neu, jedes Mal ist der Puls auf 200. Darauf kann man sich nicht vorbereiten, das kann man nicht durchspielen." Auf ihre Kolleginnen und Kollegen kann sich Sabrina Stutzig verlassen: Jeder Einsatz passiert gemeinsam, das Team hält zusammen, Erfolge werden geteilt, Schwieriges in der Gruppe gemeistert. "Ohne Vertrauen zueinander funktioniert da nichts. Man braucht immer wieder irgendwen, der einem aus einer gefährlichen Situation am Einsatzort wieder heraushilft."

Die Berufsfeuerwehr Wien hilft "Mensch wie Tier in Zwangslagen", so die Definition: Das ist die Katze im Baum. Das sind aber auch komplette Straßenbahnzüge, die von den Technikerinnen und Technikern der Berufsfeuerwehr bei Bedarf vom Asphalt gehoben werden; das sind die Gasflaschen und Gefahrgutcontainer, die gesichtert und entschärft werden; das sind Eltern und Kinder, die aus der Hitze brennender Häuser gebracht werden. Das sind Menschenleben, die die Wiener Berufsfeuerwehr rettet.

Neun Hauptfeuerwachen gibt es in Wien, 24 Stützpunkte sind es insgesamt, auf denen rund 1.800 Feuerwehrleute Dienst tun. Allesamt haben sie präzise Ausbildungen durchlaufen und tragen jetzt die Verantwortung für die Millionenstadt.

Die erste Offizierin der Wiener Berufsfeuerwehr

Viktoria Zechmeister ist Feuerwehrfrau und einzige Offizierin unter 1756 Männern. Bis zu sieben Mal am Tag rückt Viktoria Zechmeister mit ihrer Mannschaft aus. Innerhalb kürzester Zeit befindet sich die 36-Jährige mit dem Feuerwehrfahrzeug an der Einsatzstelle. Was sie dort erwartet, weiß sie nie. Mit starken Nerven und viel Gespür führt die erste Offizierin Österreichs ihr Team durch lebensgefährliche Situationen - und rettet Leben.

"Man ist immer gefordert, es ist abwechslungsreich. Auch wenn oft sehr schlimme Sachen passieren: Wenn etwas gut funktioniert, bekommen wir immer Dank zurück," sagt die Elektrotechnikerin und Diplomingenieurin. Sie ist also der erste weibliche Offizier einer Berufsfeuerwehr in Österreich - der Wiener Berufsfeuerwehr. Durch ihre Tüchtigkeit, Ausdauer und mit viel Fleiß meisterte sie alle Hürden. Heute kommandiert sie 30 Männer einer Feuerwache.

Der Vater war selbst stellvertretender Kommandant einer freiwilligen Feuerwehr. Wenn ihr Vater zu einem Einsatz ausgefahren ist, stand sie schon als kleines Mädchen am Fenster und schaute ihrem Vater nach. Ihr war damals schon klar, dass sie eines Tages selbst Menschen, die sich in Not befinden, helfen will.

Weiterbildung und Top-Ausstattung

Die Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner der Berufsfeuerwehr Wien sind jeden Tag, rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr für die Wiener Bevölkerung im Einsatz. Um dieses außerordentliche Niveau halten zu können, ist es notwendig, bestmögliche Rahmenbedingungen für die immer anspruchsvolleren Einsätze und komplexeren Aufgaben zu schaffen. Permanente Aus-, Fort- und Weiterbildung, Spezial-Schulungen, absolute körperliche Fitness und eine Top-Ausstattung der Ausrüstung sowie des Fuhrparks sind wichtige Grundvoraussetzungen, um die vielseitigen Aufgaben auch entsprechend bewältigen zu können.

Mehr Feuerwehrfrauen

Wie Robert Brugger, Einsatzleiter und Referatsleiter Personal, sagt, ist es "wichtig den Prozentsatz an Frauen zu erhöhen, da sich dies für das Arbeitsklima in einer eigentlich reinen Männerdomäne positiv auswirkt". Fünf Feuerwehrfrauen gibt es derzeit von rund 1800 Leuten bei der Berufsfeuerwehr. Auch eine Offizierin ist unter den 56 Offizieren zu finden. Die Berufsfeuerwehr engagiert sich in unterschiedlichen Themenfeldern um den Anteil an Frauen zu steigern. Mit Führungen für Schulen und dem Wiener Töchtertag gibt es Initiativen um schon Mädchen das Bild der Feuerwehrfrau näher zu bringen. Um einen weiteren Anreiz zu schaffen, werden bei der Berufsfeuerwehr Wien Frauen bei gleicher Qualifikation schneller aufgenommen. Eine Gleichbehandlungsbeauftragte und eine absolut idente und gerechte Entlohnung sorgen ebenso für Gleichberechtigung.